“Die Leichtigkeit des S(t)eins”
Die Weisheit des Fließens, oder: Vom Mut, echt zu sein
Tiefe Veränderungen vollziehen sich selten mit lautem Getöse. Sie geschehen in der Stille, fast unbemerkt, wie das stetige Fließen eines Flusses, der sich seinen Weg durch die Landschaft bahnt.
Wenn du den Fluß beobachtest, begegnet dir eine Kraft, die ursprünglich, rauh und wild ist. Er folgt seinem Wesen, fließt frei, formt das Bett und verändert damit auch alles um sich herum.
Das Weiche formt das Harte, nicht durch Anstrengung, sondern durch Zeit, Ruhe und Nachdruck.
In einer Welt, die oft von uns verlangt, geradlinig zu funktionieren, ununterbrochen vorauszudenken und makellos zu sein, erinnert uns die Natur an ein tieferes Prinzip: die stärkste Form von Beständigkeit liegt nicht im starren Festhalten, sondern im Vertrauen auf das Fließen.
Die Poesie der Spuren: Was uns wirklich echt macht
Dieses vielfältige Kunstwerk aus neun Filzsteinen ist weit mehr als eine Ansammlung skulpturaler Formen.
Es ist ein Raumobjekt, das Geschichten erzählt.
Die Kiesel, die wir an den Ufern unserer Flüsse finden, sind stumme Zeugen unzähliger Begegnungen, Strömungen und sanfter Reibung. Ihre weiche, runde Gestalt wurde weder geplant, noch erzwungen.
Sie ging organisch aus dem Zusammenspiel von Zeit und Bewegung hervor.
Damit sind sie vollkommen in ihrer puren Existenz.
Genau hier spanne ich die Brücke zu unserem eigenen Sein.
Auch wir werden geformt von den Strömungen des Lebens. Von Menschen, die uns nur einen Augenblick begleiten, oder von Freunden, die viele Jahre unser Sein bereichern.
Von Erfahrungen, die uns prägen, von Erlebnissen und Reisen, die uns verändern, von Abschieden, die uns fordern und von Neuanfängen, deren Sinn wir oft erst rückblickend begreifen.
Nimm dich an, wie dich das Leben geformt hat, mit deinen feinen Linien, schönen Rundungen und auch deinen Ecken und Kanten. All das bist du. Echt, ungekünstelt und authentisch.
Das bedeutet sichtbare Lebendigkeit.
Die Transformation des Materials: Wenn Schwere plötzlich leicht wird
Mit „Die Leichtigkeit des S(t)eins“ wird der unsichtbare Prozeß der Wandlung physisch erfahrbar.
In vielen Stunden und Tagen meditativer Handarbeit verwandelt sich natürliche Schafwolle Schicht für Schicht in diese imposanten Formen. Das Auge nimmt sie als massive, schwere Flußkiesel wahr, doch in der realen Begegnung mit dem Objekt bricht diese visuelle Illusion auf:
Die vermeintliche Schwere und Wucht des Steins löst sich auf in einer warmen, nachgiebigen Haptik.
Hier verbindet sich, was das Prinzip von Yin und Yang beschreibt: Schwere und Leichtigkeit,
Beständigkeit und Wandel, die archaische Kraft der Form und die einladende Sanftheit des Materials.
Eine Einladung an das Herz
Dieses neunteilige Raumobjekt ist eine Einladung, die Kontrollmechanismen des Alltags für einen Moment abzulegen. Die Steine verlangen nichts von dir. Sie sind einfach da, bereit, sich in dein Leben und deinen Raum einzufügen. Solltest du über einen stolpern, so fängt er dich weich und liebevoll auf, wie das Leben, das ich dir wünsche. Sie erinnern dich daran, daß auch du dich dem Fluß deines Lebens anvertrauen darfst, ohne den nächsten Schritt bereits zu kennen.